Portugal

Unser erster Halt in Portugal war am 24.08.2025 in Viana do Castelo – eine charmante kleine Stadt im Norden, die sofort Herz und Seele erobert. Direkt im Zentrum angelegt, sind wir praktisch aus dem Cockpit direkt in die Gassen gestolpert. Und da oben, wie ein Wächter über der Stadt, thront die Kirche Santuario de Santa Luzia.

Dort kommt man entweder mit der Seilbahn oder über Treppen nach oben. Da wir irgendwie am Einstieg der Seilbahn vorbeiliefen, nutzen wir tatsächlich die Treppe. Und bei dieser schwülen Hitze war das ein anstrengendes Unterfangen. Aber der Ausblick – einfach atemberaubend – so ein „Oh wow“-Moment, den du nie wieder vergisst.

Von hier aus zog es uns südwärts – immer küstennah. Nicht weil wir unbedingt jeden Stein am Strand zählen wollten, sondern aus Respekt: die Orcas. Ein Thema, das man in diesen Gewässern nicht unbedingt ignoriert. Also tuckerten wir oft als Motorboot mit Segel-Deko (weil der Wind meist aus der falschen Ecke pfiff oder gar nicht). Aber: diese Nähe zur Küste hatte auch ihren Zauber. Felsformationen, goldene Klippen, Strände, die wie aus einem Bilderbuch schienen – das Meer zeigte uns seine Schokoladenseite.


Porto – zwischen Wellen und Wein

Die Heimat des Portweins begrüßte uns mit einem kleinen Drama: „Der Hafen ist geschlossen, zu hohe Wellen!“ hieß es. Reinfahren verboten. Rausfahren verboten. Da wir aber bereits drin waren, durften wir bleiben – und das bei Einfahrtswellen, die uns eher nach „okay, bissl ungemütlich“ vorkamen als nach Weltuntergang. Aber naja… Da war das Anlegen gegen den Wind schon wesentlich herausfordernder und gar nicht so einfach. Aber hey – wir waren da!
Porto selbst? Absolut sehenswert, lebendig, geschichtsträchtig – aber auch ziemlich überlaufen.
Mein Tipp: einmal eintauchen, ein Glas Portwein heben, und die Stadt mit offenen Augen aufsaugen.

Hafeneinfahrt
Kathedrale

Statue Prince Henry the Navigator mit dem Mercado im Hintergund
Flussufer

Nazaré – Wellen, die die Erde beben lassen

Nach Stopps in Aveiro (kurz und knackig) und Figueira da Foz (lange Strände, viel Charme) kamen wir am 01.09. in Nazaré an. Eigentlich nur kurz – aber Krankheit verlängerte den Aufenthalt. Und weißt du was? Es war ein Geschenk. Endlich mal irgendwo ankommen. Nazaré ist weltberühmt für die gigantischen Winterwellen. Auch im Spätsommer zeigten sie schon ihre Kraft – ein donnerndes Schauspiel, das Ehrfurcht einflößt. Ich spazierte täglich am Strand entlang, während Andreas sich gesundkurierte.
Diese Tage erinnerten mich daran: manchmal zwingt dich das Leben zur Pause – und genau da beginnt Heilung. Denn manchmal ist genau dieser Stillstand die Welle, die dich weiterträgt.

Blick von Oben
Sonnenuntergang am Südstrand
Südstrand

Peniche – Felsenküsten und Hilfsbereitschaft

Angekommen in Peniche begegneten wir einem Hafenmeister, wie man ihn sich nur wünschen kann: hilfsbereit, bodenständig, und sogar Chauffeur in Sachen Batterie. Uns ging ja eine kaputt. Die Felsküste hier? Ein Gedicht. Absolute Empfehlung (wenn man es schafft): die Berlengas-Inseln, Portugals ältestes Naturschutzgebiet. Wir haben’s nicht geschafft, aber auch das gehört zum Reisen dazu: nicht alles abhaken, sondern wählen. Dafür gab’s die Festung Fortaleza de Peniche – ein Ort voller Geschichte, teils schwer, teils faszinierend.

Blick von der Festung

Blick aufs Dorf

Lissabon – Quallen und Großstadtwirbel

Am 10.09. liefen wir in Lissabon ein – und direkt fiel uns auf: das Wasser war voller riesiger Quallen. Willkommen in der Hauptstadt! Der Hafen lag gut, die Stadt pulsiert, aber ehrlich gesagt: so richtig warm wurden wir nicht mit Lissabon. Großstadt eben. Unsere übliche „wir lassen uns treiben“-Strategie ging hier nicht auf. Man braucht Plan und Fokus, sonst wird man verschluckt.
Du siehst also: Nicht jede Stadt zeigt dir ihr Herz auf den ersten Blick. Manchmal musst du die Richtung kennen.

Praça do Comércio

Portimão – zwei Gesichter und ein Geschenk

Mit ein paar Zwischenstopps erreichten wir Portimão. Erst in den Hafen, dann rüber zum Ankerfeld – zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Auf der Hafenseite: Touristengetümmel. Auf der anderen: Festung, Felsküste, Strand – wie eine Zeitreise. Und endlich kam unser neues Spielzeug an Bord: die Windmessanlage. Natürlich ging es sofort hoch auf den Mast, um die neue Windmessanlage anzuschließen. Es war nicht, wie gedacht, die Leitung, sondern anscheinend der Windmesser selbst. Endlich wieder echte Zahlen statt Bauchgefühl. Wir waren wirklich sehr, sehr happy damit.

Castelo de Ferragudo
Abendstimmung


Faro – die Nacht des losen Ankers

Am 17.09. ankerten wir in einer Lagune bei Faro. Alles gut – dachten wir. Bis frühmorgens ein seltsames Geräusch mich hochschreckte. Kein Ankeralarm, keine Grundberührung. Aber etwas stimmte nicht. Also hoch – und Schock: die Brücke kam gefährlich nah. Der Anker hatte sich gelöst, wir trieben! Herzrasen, Adrenalin, Andreas geweckt – zum Glück ging alles gut. Neu geankert, aber geschlafen hat danach keiner mehr. Warum der Anker sich löste? Wahrscheinlich zu wenig Kette draußen und durch die starke Strömung und den Tidenwechsel herausgedreht. Wieder etwas gelernt.


Ayamonte – ein neues Kapitel

Am nächsten Tag machten wir Schluss mit Portugal. Es ging weiter bis an die Grenze. Da beide Häfen voll waren, ankerten wir auf der spanischen Seite. Der Ankerplatz war allerdings eher zweckmäßig als wirklich schön. Und hier gab es auch wieder genau diese großen Quallen aus Lissabon – so zahlreich, dass wir nicht mal die Füße ins Wasser halten wollten. Aber Ayamonte hat schöne kleine Gassen und lädt durchaus ein, einen Tag zu verweilen.
Von hier aus ging es nach Cádiz.
Ein neues Land, ein neues Kapitel.


Reisegedanken-To-Go:
Portugal hat uns gelehrt, wie nah Ruhe und Sturm, Sicherheit und Unsicherheit beieinanderliegen. Mal trug uns der Ozean sanft wie eine Mutter ihr Kind, mal stellte er uns hart auf die Probe – mit Wellen, Windstille oder einem Anker, der mitten in der Nacht seinen Dienst quittierte.

Und doch: Zwischen felsigen Küsten, endlosen Stränden, Hilfsbereitschaft im Hafen und dem Donnern der Wellen in Nazaré habe ich verstanden – das Leben unterwegs ist kein gerader Kurs. Es ist ein Tanz zwischen Vertrauen und Respekt, zwischen Hingabe und Mut.

Portugal erinnert mich daran: Wirklich frei bist du nicht, wenn alles planbar läuft. Frei bist du, wenn du weitergehst – auch dann, wenn das Unplanbare dein Weggefährte wird.

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