Manchmal segelst du nicht – du wirst einfach nur geschaukelt…
So war’s auf unserer Überfahrt von Madeira nach La Palma. Der Wind hatte sich offenbar mal wieder eine Auszeit genommen, und so tuckerten wir ein großes Stück mit dem „eisernen Segel“ vor uns hin. 282 Seemeilen in 56,5 Stunden – das Meer hatte beschlossen, es ruhig angehen zu lassen (es war auch ein kleiner Abschnitt unter Segel dabei;)).

Unsere neue Crew? Naja, sagen wir mal so: nicht alle waren in Hochform.
Mario ging es bereits kurz nach der Hafenausfahrt schon nicht mehr so gut und die anderen zwei, Michaela und Hannes, hatten schon beim Start ihrer Reise ein kleines Abenteuer hinter sich – Flugzeug verpasst, wenig Schlaf und sofort direkt von Flugzeug auf den Atlantik. Kein Wunder also, dass sich die Begeisterung anfangs etwas in Grenzen hielt. Die See, das Schaukeln, der ungewohnte Rhythmus… der Körper braucht da manchmal einfach einen Moment, bis er kapiert: Wir segeln jetzt.
Zum Glück besserte sich alles nach einem Tag – und dann war wieder Lachen, Erzählen und Leben an Bord. So, wie es sein soll:)

Tagsüber glitzerte das Meer, nachts lag leichtes silbriges Mondlicht auf den Wellen. Und dann – als hätte der Ozean beschlossen, uns für die motorlastige Fahrt zu entschädigen – kam dieser magische Morgen…
Ein Regenbogen nach dem anderen. Überall. Groß, klar, strahlend. Und das ging den ganzen Tag über so weiter – immer und immer wieder war ein Regenbogen sichtbar.
In der Ferne sprühten zwei Wale ihre Wasserfontänen in die Luft und nachmittags tauchte eine große Delfinschule auf und begleitete uns mit ihrer Leichtigkeit ein Stück des Weges.
Irgendwie ein magischer Tag, so kurz vor dem Ankommen. Als ob uns das Universum fürs Durchhalten belohnen wollte.
Die Hafeneinfahrt auf La Palma dagegen war wieder klassisch… sagen wir: sportlich. Dunkel, unübersichtlich, viel Konzentration. Aber – Angekommen ist angekommen.
Im Hafen wurden wir herzlich empfangen – Marios’ Frau stand schon winkend am Steg. Zusammen gingen wir dann noch essen und stießen auf die Überfahrt an. Mario verließ im Anschluss auch das Boot – und plötzlich waren wir nur noch zu viert.
Wieder hatten uns die Wellen ein Stück weitergetragen.
Richtung Süden. Richtung Sonne. Richtung Freiheit.
Reisegedanke-To-Go:
Diese Überfahrt hat mir gezeigt: Nicht jede Reise muss stürmisch sein, um tief zu gehen.
Manchmal liegt die Magie im Leisen – in Regenbögen, die plötzlich am Himmel stehen, und in Delfinen, die dich wortlos daran erinnern, wie leicht sich das Leben anfühlen kann, wenn du aufhörst, dagegen anzukämpfen.
Vielleicht ist das der Zauber des Meeres:
Es nimmt dir das Tempo – und schenkt dir dafür die Zeit. 🌈