Dominica – „Mas Domnik“

Der Schlag von Martinique nach Dominica… sagen wir mal so: Er hatte definitiv mehr Charakter als geplant.
Irgendwo zwischen „läuft doch ganz gut“ und „bitte was passiert hier gerade?“ ist uns das Achterliek unseres Großsegels gerissen. Und als wäre das noch nicht genug, haben wir es noch geschafft, den Baum auf die Solarplatten krachen zu lassen. Die Stimmung an Bord? Nun ja…Nennen wir es… angespannt mit Tendenz zu stillem Augenrollen.
Aber – und das ist ja am Ende das Einzige, was zählt – wir kamen alle heil in Roseau an.
Und wie es sich gehört, startete alles erstmal wieder mit der geliebten Bürokratie.

In Portsmouth

Schon das Anlegen mit dem Dinghi im Fischereihafen war ein kleines Abenteuer für sich. Der Geruch von Fisch hing schwer in der Luft, überall war es voll, leicht chaotisch – und der Schwell machte das Ganze zu einem fast unmöglichen Unterfangen. Als wir dann endlich halbwegs da lagen, wo die Fischer uns haben wollten, begann der eigentliche Spaß: Aussteigen.
Vor uns: eine hohe Betonwand.
Unsere Hilfe: ein alter, ziemlich unkooperativer Autoreifen, der ständig wegrutschte.
Kurz gesagt – elegant sieht anders aus. Aber wir haben es irgendwie geschafft.

Bucht nach Portsmouth

Die nächste Geduldsprobe wartete dann bei der Immigration. Sailclear hatte offensichtlich wieder einen seiner Tage und zickte sich bereits bei den Leuten vor uns durch den Prozess. Entsprechend zog sich alles… aber am Ende hielten wir unsere Einreisestempel in der Hand.

Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt, zurück an Bord. Am nächsten Tag hieß es Abschied nehmen: Stefan verließ uns wieder.

Eins von zahlreichen Wracks in der Bucht – ein Spielplatz für die Kids 😉

Da bis zum Karneval noch etwas Zeit war, segelten wir weiter nach Portsmouth. Und ganz ehrlich: Was für ein Unterschied. Die Bucht war deutlich schöner, wir lagen ruhig vor Anker und alles fühlte sich plötzlich… entspannter an.
Die Leute dort? Unglaublich herzlich. Der Ort selbst vielleicht unspektakulär – aber genau das machte irgendwie seinen Charme aus.
Es gab ein Fort direkt an der Bucht und ein paar Plätze zum Schnorcheln.

Umzugswagen voller Musikboxen

Zu Karneval ging es wieder zurück nach Roseau.

Montagsumzug

Der „Rosenmontag“ bzw. „J’ouvert“, wie es hier heißt, startet früh morgens in den Straßen Roseaus. Hier wird mit Schlamm, Farbe, Öl usw. um sich geworfen. Das haben wir übersprungen und sind erst später zusammen mit einem amerikanischen Seglerpärchen dazugestoßen, um die Parade anzuschauen. Diese zog den ganzen Tag über durch die Straßen – allerdings nicht so durchgetaktet und am Stück wie man es in Deutschland kennt. Hier kam eine Gruppe, dann… Pause. Warten. Und irgendwann dann die nächste. Ein Rhythmus, der mehr nach Inselzeit als nach Uhr funktionierte. Der Fokus der Parade liegt an diesem Tag eher auf traditionelle Figuren und Kultur. Die Musik, Bouyon, war ohrenbetäubend laut.
Am frühen Nachmittag dann ein weiteres Pärchen zu uns dazu und wir schauten uns den Rest von der Parade aus einer Bar von oben an – sozusagen auf Augenhöhe der Umzugswägen. Es wurde viel getrunken, gelacht und Gespräche geführt.

Dienstagsumzug

„Faschingsdienstag“ dann das große Finale:
Bunte, knappe Kostüme mit viel Glitzer und langen Federn. Frauen, die sich unabhängig von irgendwelchen Schönheitsidealen zeigen, was sie haben, frei nach dem Motto: I am a woman, I am sexy and I am a queen. Ich fand es nur so schade, dass die Stimmung bei weitem nicht so war wie vorgestellt – so voller Lebensfreude, Leichtigkeit. Die Leute waren mehr damit beschäftigt während der Parade gelangweilt aufs Handy zu schauen oder ihre Videos/Fotos zu machen, anstatt für wirklich Stimmung zu sorgen.
Aber das eine ist die Vorstellung und das Bild das wir haben und das andere ist die Realität – passt oft nicht zusammen.

Dienstags-Kostüme

Naja – am Abend hatten wir uns spontan noch mit einem französischem Pärchen in einer Bar getroffen, die gefragt hatten, ob wir sie mit nach Guadeloupe nehmen würden. Also lernten wir uns gegenseitig kennen. Es hat dann so gut gepasst und wir luden sie für den nächsten Tag zum Abendessen an Bord ein, so dass sie sich ein Bild vom Boot machen konnten. Da für alle Seiten alles ok war – nahmen wir sie dann mit nach Guadeloupe als am 20.02 die Reise weiterging.

Ein paar Fakten zu Dominica:

  • Hauptstadt: Roseau
  • Sprache:
    • Amtssprache: Englisch
    • Kreolisch
  • Währung: Ostkaribische Dollar
  • Natur:
    • über 60% ist mit Regenwald bedeckt
    • zahlreiche Wasserfälle und Flüsse
  • Authentisch und wenig massentouristisch
  • Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit
  • Flagge:
    • grüner Hintergrund: üppige Natur & Regenwald
    • Kreuz aus gelb, schwarz & weiß:
      • Gelb: Sonne und fruchtbares Land
      • Schwarz: afrikanische Herkunft der Bevölkerung
      • Weiß: Flüsse und Wasserquellen
    • Roter Kreis: Soziale Gerechtigkeit
    • 10 Sterne stehen für die Verwaltungsbezirke
    • Im Zentrum des Kreises sitzt ein Sisserou-Papagei (Kaiseramazone) – eine seltene Vogelart, die es nur auf Dominica gibt
Spruch im Treppenaufgang der Bar in Roseau
Reisegedanke-To-Go:
Vielleicht geht es beim Reisen gar nicht so sehr darum, dem Traum nachzujagen, sondern zu lernen, die Realität genauso anzunehmen wie sie ist.

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