Am Montag, den 29.09.25, hieß es: Leinen los, Kurs auf Porto Santo. 550 Seemeilen, 103 Stunden, zwei Menschen, ein Boot – und der große, weite Atlantik.
Die ersten beiden Tage? Windvorhersage top, Realität flop. Also kam unser „eisernes Segel“ (Motor) zum Einsatz, während die Segel nur zur Zierde mitwedelten. Danach frischte der Wind endlich auf und drehte in die richtige Richtung – das Boot lief wie auf Schienen. Der Wellengang blieb tatsächlich die ganze Fahrt über angenehm.
Nachtfahrten sind nicht so meins, aber da wir fast Vollmond hatten lag nachts ein silbriges Licht über dem Meer und es sah aus, als hätte jemand Glitzerstaub über den Atlantik gestreut. Total schön. Und – es war nicht soooo dunkel 😉
In der ersten Nacht gab’s dann Funkkino vom Feinsten:
Ein Schiff A funkte ein Schiff B an, weil es zu nah kam. Schiff B schwieg. Nach mehreren Versuchen platzte Schiff A der Kragen – und plötzlich hörte man übers Funkgerät eine Schimpftirade, die jedem Hafenkneipen-Seemann zur Ehre gereicht hätte. Wir saßen im Cockpit, lauschten und grinsten. So kann Unterhaltung auf hoher See aussehen.
Die restlichen Nächte waren ruhiger – bis zur letzten. Da war nochmal volle Aufmerksamkeit gefragt. Überall Solo-Segler unterwegs, kleine Boote, kaum sichtbar auf dem Radar, mit AIS nur kurz an, Funkkontakt eher Glückssache. Einmal wurde es brenzlig knapp – aber Andreas manövrierte uns heil vorbei.
Und dann gab es auch noch einen filmreifen Moment:
Ich öffne morgens die Kuchenbude, will frische Luft schnappen – und lasse einen Schrei los wie in einem schlechten Horrorfilm. Auf dem Deck liegt ein kleiner Tintenfisch, der mich mit leblosen, leeren Augen anstarrt. Ich schwöre, der Blick ging mir durch Mark und Bein. Andreas lachte Tränen – und wer durfte das glitschige, arme Tierchen schließlich vom Deck kratzen? Richtig. Ich. Der Herr des Bootes ist in solchen Momenten sehr zart besaitet.

Am Ende war es eine ruhige, fast meditative Überfahrt. Die Nächte hatten ihren Rhythmus gefunden, die Schichten liefen rund. Nur das Schlafen unterwegs bleibt eine Kunst für sich – zwischen dem Rauschen, Knarzen, Schaukeln und Summen schläft man nie wirklich, man döst im Takt des Meeres.
Reisegedanken-To-Go:
Manchmal ist das Meer wie das Leben selbst – es rauscht, flüstert, bringt dich ins Schwanken und trägt dich trotzdem. Du kannst nichts erzwingen, nur mitgehen, lauschen, vertrauen – und vielleicht ein bisschen lachen, wenn dir das Universum einen Tintenfisch auf Deck legt.🐙