Am Mittwoch, den 29. Oktober 2025, hieß es: Leinen los! Kurs auf die Kapverden. Natürlich nicht, ohne vorher noch einmal randvoll zu tanken und die Vorräte aufgestockt zu haben – man weiß ja nie, was kommt. Kaum draußen, meldete sich dann gleich der Motor zu Wort: Kühlung kaputt. Na bravo. Also Anker runter, Werkzeug raus, kurz geflucht – und dann repariert. Danach ging’s wirklich los.
Wie so oft auf dieser Reise: Der Wind hatte wieder mal seinen eigenen Kopf. Tagsüber schlief er fast ein, nachts drehte er auf. So wechselten wir regelmäßig zwischen „Segeln im Schmetterling“, „normalem Kurs“ und dem Spinnaker – schließlich soll’s ja nicht langweilig werden.

In der ersten Nacht dann Gänsehaut pur: Walgesänge – oder zumindest etwas, das sehr danach klang. Über uns ein klarer Sternenhimmel, der Mond tauchte das Meer in silbriges Licht … und irgendwo da draußen diese geheimnisvollen Laute. Magischer kann es kaum werden…
Etwa auf halber Strecke verabschiedete sich dann unsere Genua (Genuafall hat sich um Spiefall getwistet und so konnte sich die Genuafurlex nicht mehr drehen). Also blieb nur noch das Großsegel und das eiserne Segel (aka Motor). Wenigstens blieb das Meer gnädig. Moderate Wellen, meist sonnig. Jeden Tag tauchten Delfine oder Wale auf, und immer öfter schwirrten fliegende Fische über die Wellen – kleine Glitzerwesen, die übers Meer gleiten. Zwei davon landeten leider an Deck – und fanden dort ihr letztes Abenteuer.

Da man auf so einer Überfahrt viel Zeit hat (Danke, Autopilot), wurde zwischendurch geputzt, geschraubt und geangelt – wobei das mit dem Angeln so eine Sache ist. Die Angel ging kaputt, der Köder verschwand, der Fisch blieb aus. Und statt Fisch hatten wir einmal eine Möwe am Haken. Das arme Ding – diese „Mahlzeit“ war ihre letzte.

Ich hatte nun ja schon einige Nachtfahrten und inzwischen fange ich an, sie zu mögen. Zumindest solange nicht zu viel Welle und zu heftiger Wind ist – denn dann sind Nachtfahrten schon fast meditativ – silbernes Mondlicht, Sternenhimmel, sanftes Schaukeln, Stille…
Und jede Reise braucht ja einen Soundtrack: Für die Überfahrt gab es jetzt: Santiano – Wasser. (Wasser, Wasser, Wasser überall – wenn das mal nicht treffend ist.) Andreas war begeistert… So mittel… Meine Singkünste sind nicht grad berauschend.

Nach gut 185h und 920nm auf See erreichten wir schließlich nachts gegen 1 Uhr Mindelo, Kapverden – mit einer Ankunft, die es in sich hatte: Böen mit über 30 Knoten, Wracks im Ankerfeld, schlechte Beleuchtung. Ein echtes Abenteuer zum Abschluss. Aber: Wir sind angekommen. Und das zählt.
Am Morgen dann das übliche Ritual: Funkkontakt mit dem Hafen, reinfahren, kurz frisch machen, Hafenbüro, Migration – Papierkram eben. Danach hieß es Abschied nehmen. Jan, unser Mitfahrer, trat seine Weiterreise per Flugzeug an. Für uns blieb das Meer – und wieder ein Kapitel mehr im Logbuch unserer Reise und eine Genau, die dringend repariert werden muss.
Reisegedanken-to-Go:
Kaputte Genua, defekte Angelrute – und trotzdem gleiten wir weiter übers Meer. Es zeigt sich: Auch wenn Dinge kaputtgehen, können wir vorwärtskommen. Manchmal langsamer, manchmal mit Umwegen, aber immer mit dem Blick auf den Horizont, auf das Glitzern des Wassers und die Magie des Ozeans.