Jersey (England)

Von der Normandie nach Jersey – zwischen Horrorwellen und Hafenruhe

Am 1. August hieß es: Leinen los Richtung Jersey, eine der englischen Kanalinseln. Die Fahrt begann harmlos, sogar angenehm – bis zu diesem Abschnitt.
Mehrere Stunden pure Anspannung. Sehr hohe, wilde, ungleichmäßige Wellen, die uns wie Spielzeug hin- und herwarfen. Die Klippen – gefühlt viel zu nah. Die Genua ließ sich nicht einholen, der Wind blies uns in unregelmäßigen, kräftigen Böen um die Ohren.

Das Ergebnis? Wir fuhren gefühlt ewig im Kreis. Immer wieder das gleiche Stück, immer wieder zurückversetzt. Vor – zurück – vor – zurück.
Das für mich Schlimmste: die Schräglage. So extrem, dass ich fest überzeugt war: Das war’s – wir kentern gleich. Ich bin an diesem Tag innerlich mindestens dreimal gestorben und habe mir gedacht: Nie wieder aufs Boot.

Irgendwann hatte das Meer wohl genug von unserem Elend und ließ uns über diesen Abschnitt hinweg. Danach war es fast schon wieder angenehm – zumindest im Vergleich.

Ankern in Bouley Bay – die Theorie war schöner als die Praxis
Wir hatten uns eine Bucht zum Übernachten ausgesucht, Bouley Bay. Dort gab es Muringbojen – praktisch. Weniger praktisch: Wir mussten mit voller Genua anlegen (die sich ja immer noch nicht bändigen ließ) und die Bucht war überhaupt nicht geschützt. Ergebnis: eine Nacht im Dauer-Schaukelmodus. Nicht wirklich zu empfehlen.
Immerhin: Wir konnten dort alles wieder in Ordnung bringen. Und wir waren ehrlich froh, als dieser Tag vorbei war.

Bouley Bay

St. Helier – ein kleines Aufatmen
Am nächsten Morgen fuhren wir nur ein kurzes Stück weiter zum Hafen in St. Helier. Ein nettes Städtchen, ein schöner Hafen direkt im Städtchen – und vor allem: fester Boden unter den Füßen. Dort sind wir entspannt durch die Gassen gebummelt und haben es uns gut gehen lassen.
Von Jersey ging es dann weiter nach Roscoff (Bretagne).

Hafenpromenade
Liberation square
Blick auf den vorderen Hafenteil
Reisegedanken-To-Go:
Manche Etappen fühlen sich an, als würden sie dich zerreißen. Als würdest du mitten im Sturm nicht nur das Meer, sondern auch dich selbst verlieren.
Aber: Du kommst an. Du atmest wieder durch. Du merkst, dass du mehr tragen kannst, als du dachtest. Und manchmal brauchst du genau so eine Erfahrung, um zu wissen, dass „Nie wieder“ nicht immer das letzte Wort ist.

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