Martinique – Insel der Regenbögen

Unsere Weiterreise von St. Vincent nach Martinique begann am 5. Januar – eine Entscheidung, die weniger von geografischer Logik als vielmehr von strategischem Timing geprägt war. St. Lucia ließen wir bewusst aus, wissend, dass wir bald zurückkehren würden.

Die Nachtfahrt war längst zu einem Ritual geworden.
Nicht aus Notwendigkeit, sondern aus Überzeugung: Unbekannte Küsten verdienen es, im Licht entdeckt zu werden.
Als wir schließlich in die Bucht einliefen, war mein erster Gedanke:
Wow. Das fühlt sich… anders an. Europäischer.

Schoelcher Bibliothek

Und genau so war es auch. Martinique gehört schließlich zu Frankreich – und das spürt man sofort. Fort-de-France wirkte fast wie eine Mischung aus Karibik und südfranzösischer Stadt.
Unser erster Stopp, wie immer: Immigration.
Zumindest theoretisch total einfach:
Online Formulare ausfüllen, ausdrucken, abstempeln lassen.
Easy, oder?
Doch wie so oft liegt zwischen Theorie und Realität ein schmaler, manchmal humorvoller Grat. Es entpuppte sich eher als kleine Schatzsuche.
Wir liefen durch die Straßen, fragten uns durch – mal scheiterte es an fehlendem Wissen, mal an der Sprachbarriere. Am Ende landeten wir im Touristenbüro, bewaffnet mit einer dieser typischen Stadtkarten. Zurück in das Viertel, in dem wir längst gewesen waren. Und trotzdem: nichts.
Bis Andreas schließlich einfach beschloss, in den Schiffsladen zu gehen, vor dem wir gerade standen.
Volltreffer.
Denn die Immigration war… genau dort.
Ein unscheinbarer Raum, versteckt zwischen Bootszubehör.
Stempel bekommen, erledigt.
Willkommen in Martinique – mit einer kleinen Portion Abenteuer gleich zu Beginn.

Der besagte Bootsladen mit Immigration

Fort-de-France selbst ist lebendig. Viele Geschäfte, bunte Streetart, ein gewisser Trubel. Vielleicht nicht die schönste Stadt – aber definitiv eine, die lebt. Die Schoelcher Bibliothek ist architektonisch sehr beeindruckend und einen Besuch wert. Diese wurde übrigens in Paris aufgebaut und dann in Einzelteile verschifft und hier wieder aufgebaut. Das Fort hingegen bleibt einem nur von außen.

In der gegenüberliegenden Bucht hatten wir dann endlich mal wieder eine richtig schöne Begegnung. Dort trafen wir einen deutschen Einhandsegler, der seit ein paar Jahren mit seinem Katamaran unterwegs ist. Einer dieser Menschen, die Geschichten in sich tragen. Der Abend mit ihm blieb hängen – ruhig, ehrlich, inspirierend mit leckerem Essen.

Kleine Insel vor Trois-Îlets

Trois-Îlets ist ein kleiner, aber feiner Ort. Direkt davor und in der direkten Umgebung gibt es einige Ankerplätze mit super Halt. Nur das Wasser ist nicht besonders klar.
Es gibt dort auch gleich einen kleinen Mangrovenwald, in den man ein gutes Stück mit dem eigenen Dinghi oder Kajak reinfahren kann. Total idyllisch.

Mangrovenwald

Die Bucht vor Le Marin war dann das komplette Gegenteil: Boote… Boote…Überall Boote…
So viele, dass man fast den Überblick verliert. Gleichzeitig liegen dort auch einige Wracks und so manche Untiefe – also Augen auf, wenn ihr da durchfahren wollt. Wir ankerten ziemlich am hinteren Ende der Bucht. Dort gab es einen Dinghi-Anleger mit einem kleinen Weg rüber zu einem doch recht gut besuchten kleinen Sandstrand.
Mit dem Dinghi fuhren wir auch mal rüber zu Sainte-Anne. Ein charmantes kleines Dorf, fast schon gemütlich

Kirche in Sainte-Anne
Dinghi-Anleger in Le Marin – Frankreich – da gehören natürlich Baguettes dazu
Strand zwischen Sainte-Anne und Le Marin

Und dann war da noch unser kleines Upgrade:
Ein neues Dinghi und einen passenden Außenborder dazu. Denn irgendwie reichte es uns einfach, jedes Mal klatschnass an Land anzukommen, sobald die Welle etwas „größer“ war. Da ist einfach ein RIB besser als ein Roll-up-Dinghi mit Flachrumpf.

St. Pierre (Fort)

St. Pierre überraschte uns auf eine ganz eigene Weise. Bei der Anfahrt gab es einen wunderschönen Regenbogen in der kleinen Bucht davor – so dass wir spontan dort für eine Nacht ankerten. Es sah einfach wunderschön aus.
Die Stadt selbst ist wieder eher klein, aber auch sehr schön, authentisch irgendwie.
Andreas hatte dort im Carrefour eine Begegnung der besonderen Art. Ihm wurde doch glatt ein Messer an die Kehle gehalten mit den Worten „Geld her, sonst…“ Letztlich ist nichts passiert und alles gut, es war trotzdem irgendwie eine surreale Szene.

Am 28. Januar verließen wir Martinique wieder.
Diesmal lief alles reibungslos – wir wussten ja inzwischen, wo sich die „versteckte“ Immigration in Fort-de-France befand.

Was bleibt, ist ein gemischtes Gefühl:
Ein Tiefdruckgebiet begleitete uns fast die gesamte Zeit. Es regnete viel und die Sicht oben am Vulkan war nicht gut – also liefen wir auch nicht hoch. Diesmal nicht.

Einer der zahlreichen Regenbögen (bzw. sogar ein doppelter)

Und trotzdem…
hat diese Insel uns etwas geschenkt.
Wir nennen sie heute die Regenbogen-Insel.
Denn fast jeden Tag spannte sich mindestens einer über den Himmel. Oft sogar doppelte Regenbögen.
Und jedes Mal standen wir da –
und haben einfach nur geschaut und waren fasziniert von den intensiven Farben hier.

Ein paar Fakten zu Martinique:

  • Lage: gehört zu den Kleinen Antillen
  • Insel ist ein Übersee-Département von Frankreich (sprich: Teil der EU, gleiche Gesetze wie Frankreich)
  • Hauptstadt: Fort-de-France
  • Währung ist Euro (€)
  • Sprache:
    • Französisch (Amtssprache)
    • Kreolisch
  • Kima:
    • tropisch warm (ca. 25 – 30°C)
    • Regenzeit: Juni – November, aber auch außerhalb dieser Zeit sind kräftige, meist kurze Regenschauer möglich
  • Höchste Punkt der Insel ist Montagne Pelée mit ca. 1397m – ein aktiver Vulkan, der 1902 die damalige Hauptstadt St. Pierre nahezu komplett zerstörte
Reisegedanke-To-Go:
Man denkt oft, Reisen bedeutet, nur die schönen Momente zu sammeln.
Die perfekten Sonnenuntergänge, die ruhigen Buchten, die Orte, die aussehen wie aus einem Bilderbuch.
Aber manchmal sind es genau die anderen Augenblicke, die bleiben.
Die unerwarteten.
Die, die einen kurz aus dem Gleichgewicht bringen.
Die, die nicht in den Plan passen.
Und genau zwischen all dem –
zwischen Regenbögen, die den Himmel aufreißen,
und Momenten, die das Herz kurz schneller schlagen lassen –
entsteht etwas Echtes.
Vielleicht ist das die eigentliche Wahrheit des Reisens:
Nicht, dass alles perfekt ist.
Sondern dass man lernt, in allem etwas zu sehen.

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