Am 30.11. begann unsere zweite Runde: Atlantiküberquerung.
Und wenn man an Zeichen glaubt, dann standen sie diesmal eindeutig auf Grün.
Eine ruhige Nacht mit echtem Schlaf.
Am Morgen beim Kaffee eine Schildkröte direkt neben dem Boot.
Und kaum aus der Ankerbucht draußen, kreuzte eine Delfingruppe unseren Kurs – als würde sie uns verabschieden oder vielleicht sogar begleiten wollen.
Ich war tatsächlich sehr optimistisch gestimmt.
Dieses Mal waren wir auch nicht ganz allein unterwegs. Schon allein, aber irgendwie auch nicht. Mit drei weiteren Booten, die am selben Tag gestartet waren, hatten wir eine kleine WhatsApp-Gruppe. Zweimal täglich schickte jeder seine Position, meist mit ein paar Zeilen dazu, wie es lief. Kein großer Austausch und auch nicht in Sichtweite – aber dieses stille Wissen: Da draußen sind noch andere. Auf demselben Ozean. Zur selben Zeit. Das tat mir schon sehr gut.

Der erste Tag allerdings… der hatte es in sich. Die Wellen waren sehr unangenehm, das Boot rollte, und in mir machte sich ein ordentliches Tief breit. Diese eine Frage, die wohl jeder kennt, der freiwillig Dinge tut, die man nicht tun muss:
Warum eigentlich?
Warum kommt man auf die Idee, freiwillig den Atlantik zu überqueren? So einen S***** über sich ergehen zu lassen?
Gezweifelt… Gehadert… Und letztlich natürlich weitergemacht.
Solche Momenten dürfen auch mal sein.
Naja, wie ihr euch sicher vorstellen könnt, ist der Atlantik kein Ort für allzu große Abwechslung.
Wasser. Wasser. Und noch mehr Wasser.
Die Tage ähneln sich, die Routinen greifen, und genau darin liegt eine eigene Art von Ruhe.

Es lief auch gut. Nichts ging kaputt. Wir kamen stetig voran. Die Morgenroutine bestand aus dem Entfernen der armen kleinen Bruchpiloten, sprich fliegende Fische, die sich des nachts aufs Deck verirrten. Keine schöne Routine – aber bleibt leider nicht aus.
Tagsüber segelten wir meist mit Groß und Genua im Schmetterling, nachts oft nur mit dem Großsegel. Der Wind frischte nachts regelmäßig etwas auf, und in der zweiten Woche brachten Squalls und Welleneinstiege zwei eher ungemütliche Tage mit sich. Nicht dramatisch – aber eben auch nicht kuschelig.

Ein kleines Highlight: unser erster Fisch an der Angel. Ein kleiner Mahi. Und später tatsächlich auf dem Teller. Frischer geht’s wohl kaum.

Zur Halbzeit dann wieder Magie pur: Mehrere Delfingruppen begleiteten uns – immer wieder tauchten neue auf, schwammen mit uns, verschwanden und kamen zurück. Ganze zwei Stunden lang. Diese Leichtigkeit, diese pure Lebensfreude – es berührt jedes Mal aufs Neue.

So zogen Tage und Nächte vorbei. Mit leuchtenden Sonnenuntergängen, sanften Morgenfarben und sternenklaren Nächten. Diesmal weniger meditativ – die Kreuzwellen ließen wenig innere Stille zu. Aber auch das gehört eben dazu.

Und dann gegen Mittag des 15.12.: Land.
Barbados. Wir steuerten die Ankerbucht vor Port St. Charles an (Port of entry). Glücklich, erleichtert und müde sind wir dort angekommen und haben uns einen kurzen Schlaf gegönnt bevor wir uns auf dem Weg zur Bürokratie, Einklarierung, gemacht haben.
Reisegedanken-To-Go:
Manchmal fragt man sich mitten auf dem Ozean, bei schiefen Wellen und noch schieferen Gedanken, ob man eigentlich komplett einen an der Waffel hat.
Und genau dann passiert sie – diese Magie.
Ein Delfin taucht auf. Der Himmel färbt sich rosa. Das Herz atmet wieder.
Reisen heißt nicht, immer mutig zu sein.
Reisen heißt, weiterzufahren, obwohl man kurz zweifelt.
Dem Leben zu sagen: Okay, ich hab Angst – und ich bin da.
Der Atlantik nimmt dir die Illusion von Kontrolle.
Und schenkt dir dafür etwas viel Größeres: Vertrauen.
In dich. In den Moment. In den nächsten Windhauch.
Und irgendwann weißt du:
Du bist nicht verrückt...
Du bist lebendig...